Aktion Klimagipfel in Nagold

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Nagold, den 21.09.2014. Aus Anlass der nächsten Klimakonferenz am 23.September 2014 und der alarmierenden Entwicklung des Klimawandels führten Mitarbeiter der Greenpeace Gruppe Böblingen Sindelfingen am 21.September 2014 vor der Alten Vogtei in der Turmstraße in Nagold im Rahmen des avaaz Aufrufs eine lokale Aktion zum Thema Klimawandel durch. Dieser Sondergipfel zum Klimawandel findet in New York statt, zu dem UN-Generalsekretär Ban Ki-moon Verantwortliche aus Regierung, Privatwirtschaft und Zivilgesellschaft eingeladen hat, sich gemeinsam und mit konkreten Aktionen für eine CO2 -ärmere Welt zu engagieren.
Die massive Verbrennung fossiler Energieträger wie Kohle und Öl, aber auch die intensive Landwirtschaft führen zu einem Ausstoß klimawirksamer Gase wie CO2 , Methan (CH4 ) und Lachgas (N2O) und machen so die Erde zum Treibhaus. (3)
Aktuelle Daten der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) zeigen, dass die Konzentration von Kohlendioxid (CO2 ) in der Luft seit 30 Jahren nicht so stark angestiegen ist wie im Zeitraum von 2012 auf 2013. Die Menge an Treibhausgasen (C02, Methan, Lachgas) in der Atmosphäre hat damit einen neuen Höchststand erreicht. (5,6).
Durch den Anstieg der CO2-Konzentration sind die Temperaturen seit Beginn der Industrialisierung um 0,98°C gestiegen. Jedes der drei vergangenen Jahrzehnte war wärmer als alle Vorhergehenden seit 1850. In der Nordhemisphäre war die letzte 30-jährige Periode (von 1983 bis 2012) die wärmste seit 1400 Jahren. (5,6)
Auch Gemeinden im Schwarzwald wie Nagold werden von den bereits beginnenden Veränderungen des Klimas betroffen sein. Erste Indizien sind zunehmend auftretende extreme Wettersituationen, wie schlagartig lokal auftretende Starkregen und Gewitter mit orkanartigen Böhen nach längeren Periode des Regenmangels. Landwirtschaft wird dadurch zunehmend schwer kalkulierbar.

Weitere globale Folgen der Klimaerwärmung:

  • Abschmelzen des ewigen Eises mit der Folge des Anstiegs der Meeresspiegel. Befürchtet wird ein Anstieg von bis zu 1 Meter in den nächsten Jahrzehnten. Dadurch kommt es zu Überschwemmungen, zum Verlust von Siedlungsflächen und Anbauflächen und zu mehr Klimaflüchtlingen.
  • Extreme Wetterlagen (Dürren, Starkregen, Überschwemmungen, zunehmende Stärke und Frequenz von Hurrikanen mit der Folge von Missernten, Zerstörung, Milliardenschäden, Klimaflüchtlingen)
  • Umverteilung der Wasserverfügbarkeit mit einer Zunahme in den Tropen und zunehmender Trockenheit und damit Wüstenbildung in mittleren und semiariden niedrigen Bereichen.
  • Veränderung der Nahrungsmittelproduktion
  • gesundheitliche Folgen: Mangelernährung, Hitze, Atem-und Kreislauferkrankungen, Auftreten von Infektionserregern

Klimaskeptiker und die Kohle- und Ölindustrie:
Nach wie vor gibt es eine Handvoll sogenannter Klimaskeptiker, die die These eines vom Menschen verursachten Klimawandels ablehnen. Sie sind vielleicht wirklich nicht von der Stichhaltigkeit der Argumente überzeugt. Oder sie sind nicht bereit, ihren Lebensstil in Frage zu stellen, auch wenn er den Planeten ruiniert. Oft aber stehen Lobbyisten aus Industrieund Wirtschaft hinter den Skeptikern, vor allem die Öl- und Kohleindustrie . Das überrascht nicht, denn diese beiden Industriezweige und ihr lukratives Geschäft stehen auf dem Prüfstand.
Ein häufig genanntes Beispiel: der verlangsamte Temperaturanstieg in den vergangenen 15 Jahren.
In diesem Zeitraum ist die globale Mitteltemperatur weiterhin gestiegen, jedoch war die Geschwindigkeit des Temperaturanstiegs langsamer als in den vorhergehenden Jahrzehnten. Der IPCC stellt fest, dass man aus diesem Befund nicht auf eine generelle Abschwächung des globalen Klimawandels schließen kann, da solch kurzfristige Veränderungen vor allem auf natürliche und interne Schwankungen im Klimasystem zurückgehen. Die Untersuchungen der Gründe des verlangsamten Temperaturanstiegssind noch nicht abgeschlossen. AR5 gibt aber hierfür drei Hauptfaktoren (1) an:

  1. Kurzfristige interne Schwankungen des Klimasystems (z. B. Umverteilung von Energie in den Ozeanen)
  2. ein Minimum im 11-jährigen Sonnenzyklus und
  3. Verstärkung des kühlenden Effekts durch Aerosole aus mehreren kleineren Vulkanausbrüchen. Allein der 11jährige Sonnenzyklus macht einen Betrachtungszeitraum von mindestens 30 Jahrennotwendig, 15 Jahre sind zu kurz, um eine Aussage über die Entwicklung des Klimas zu erlauben.


Forderungen:
Die Stadt Nagold muss:

  • auch bei bereits sanierten Gebäuden die Wärmedämmung und regenerative Energiegewinnung auf den aktuellen Stand den Technik setzen.
  • Noch deutlich aktiver lokale Bauherrn bei der Umsetzung vergleichbarer Maßnahmen unterstützen.
  • Kostenfreie vor Ort Beratung zum Energiesparen für seine Bürger forcieren.
  • Auf eine bessere Verkehrsanbindung an das Bahnnetz mit elektrifizierten Strecken hinarbeiten anstelle der dieselbetriebenen Kulturbahn.
  • Die globale Erwärmung ist auf deutlich unter zwei Grad zu begrenzen

 

Forderungen an die Bundesregierung und an die EU:

  • Mindestens 40 Prozent geringerer  CO2 Ausstoß  in Deutschland bis 2020 (gegenüber 1990)
  • Mindestens 55 Prozent geringerer  CO2 Ausstoß in Europa bis 2030 (gegenüber 1990)
  • Klimagerechtigkeit und finanzielle Hilfe für die ärmsten Länder der Welt
Dies können Sie selbst tun:
  • ✔Schreiben Sie an Ihre Stadtverwaltung und fordern Sie sie auf, Wärmedämmung, Heizung (z.B. durch Blockheizkraftwerke) und Energiegewinnung (z.B. Solaranlagen) aller öffentlichen Gebäude auf den neuesten technischen Stand zu bringen
  • ✔Fragen Sie bei Ihrer Verwaltung nach, welche Klimaschutzziele wie umsetzt werden.
  • ✔Fordern Sie eine bessere Informationspolitik bezüglich des Einsparpotentials bei Hausbau, der Sanierung und im Haushalt.
  • ✔Wechseln Sie Ihren Stromanbieter und berücksichtigen Sie den Mix an regenerativen Energieträgern des Anbieters, ohne Kernkraft, Kohle und Öl.
  • ✔Sie sind Hausbesitzer? Lassen Sie sich von Fachleuten beraten, wie Sie die Wärmedämmung Ihres Hauses verbessern können und wie die Heizung optimiert oder ersetzt werden kann. Hierfür gibt es Finanzierungsangebote und Subventionen.
  • ✔Aber auch als Mieter können Sie einiges unternehmen: Fahnden Sie selbst nach Ihren eigenen Energieverschwendern: ein Kaffeevollautomat oder ein Warmwasserboiler müssen nicht ständig am Stromnetz sein, hier addieren sich leicht mehrere Kilowatt.
  • ✔Schalten Sie Geräte, die sie nicht benötigen nicht in den Standby, sondern ganz aus. Auf diese Weise lassen sich leicht bis zu 40% Energie einsparen. Energiemessgeräte hierfür gibt es für ca. 25 Euro in jedem Elektromarkt. Manches Gerät verbraucht nicht ein Watt sondern acht Watt oder mehr im Standby!
  • ✔Denken Sie mit und übernehmen Sie Verantwortung. Sie schonen so die Umwelt und ihre Haushaltskasse.

 


Nähere Details entnehmen Sie bitte dem beiliegenden Flyer.

© C.Weber, Greenpeace Böblingen Sindelfingen

Publikationen

Weiterführende Links

Quellenangabe (1): offizielle Website der IPCC UN Klimaschutzorganisation
Quellenangabe (2): Zusammenfassung des Umweltbundesamts des 5. IPCC Berichts
Quellenangabe (3): Greenpeace Seiten zum Thema Klimawandel
Quellenangabe (4): Presserklärung der World Maritine Organisation WMO
Quellenangabe (5): Artikel im Nature Journal
Quellenangabe (6): WMO Artikel im Spiegel
Quellenangabe (7): Artikel in der TAZ
Quellenangabe (9): KFW Beratung zur Finanzierung klimaschützender Baumassnahmen
Zusammenfassung des 5.ten Klima Sachstandsberichts des IPCC beim Bundesministerium für Umweltschutz

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