Chemie in Kleidung

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Textilien bei Discountern:

 

Supermärkte verkaufen Lebensmittel. Ja, aber nicht nur. Mit Kleidung, Schuhen, Duschvorhängen und Tischdecken erwirtschaften die Händler milliardenschwere Umsätze. Denn auf der Suche nach Brot und Butter werfen wir Konsumenten schnell den supergünstigen Kinderpyjama in den Einkaufswagen, die Kinder-Winterstiefel auf die Tiefkühlerbsen. Nach dem Motto: Schnell im Vorbeigehen zugreifen, denn morgen könnte es ja schon ausverkauft sein. Ein jede Woche wechselndes, extrem billiges Massenangebot an Kleidung und Heimtextilien gehört längst fest ins Sortiment der Supermärkte. Mit dem „Nebenbei-Geschäft“ verdienen die Vollsortimentanbieter richtig Geld:

Je etwa eine Milliarde Umsatz machen Aldi, Lidl und Tchibo mit Textilien. Die drei Unternehmen gehören damit zu den zehn größten Modehändlern in Deutschland.

Gefährliche Chemie in Kinderkleidung
Höchste Zeit für Greenpeace, diesen Marktriesen auf die Finger zu schauen. Denn: Kann ein Paar Kinderstiefel für 9,99 Euro sauber und fair produziert sein? Mit welchen Chemikalien wurde die Regenjacke traktiert? Und was steckt in dem bunten Aufdruck auf dem Pyjama? Im Rahmen der Detox-Kampagne hat Greenpeace im Oktober 2014 das Textilangebot der Supermarkt-Discounter Aldi Nord und Aldi Süd/Hofer, Lidl, REWE/Penny, Tchibo und Interspar unter die Lupe genommen. Dafür wertete Greenpeace öffentlich verfügbare Daten aus, befragte die Unternehmen und testete stichprobenartig Kinderkleidung und Schuhe. Das Ergebnis war deutlich – und schockierte die Konsumenten:

In mehr als der Hälfte der Proben fanden unabhängige Labore umwelt- und gesundheitsschädliche Chemikalien oberhalb der Vergleichs- und Vorsorgewerte.
Einige dieser Stoffe gelten als krebserregend, schädigen die Fortpflanzung oder die Leber. Diese Chemikalien gelangen über Produkte und Fabriken in die Umwelt und die Nahrungskette. 

Doch einige der Märkte lenken ein: Eine aktuelle Zwischenbilanz von Greenpeace zeigt, dass einige Discounter mit der Entgiftung ihrer Textilproduktion begonnen haben. Sie haben sich auch der Detox-Kampagne von Greenpeace angeschlossen. Die Trendsetter-Märkte verbannen schädliche Stoffe wie Weichmacher oder per- und polyfluorierte Chemikalien (PFC) aus ihrer Produktion. Außerdem werden sie in Kürze mindestens 80 Prozent ihrer Abwasserdaten veröffentlicht haben. Sie arbeiten auch an Programmen für Rücknahme und Recycling.

Allerdings gibt es auch Ketten, die dem Detox-Ruf noch nicht folgen.

Seit 2011 gibt es die Detox-Kampagne von Greenpeace. Auf Druck dieser Kampagne haben sich seither insgesamt 33 internationale Marken der giftfreien Produktion verpflichtet. Sie wollen bis 2020 alle schädlichen Chemikalien aus ihrer Produktion verbannen; damit wären ca. 15 Prozent der globalen Textilproduktion giftfrei.

Wer ist Trendsetter, wer Schlusslicht? Das finden Sie im Anhang!

 

Outdoor-Kleidung und chemische Bestandteile

Chemierückstände aus Outdoor-Kleidung in unberührter Natur:

Outdoor-Marken werben mit dem Image der Naturverbundenheit und produzieren beeindruckende Bilder von den schönsten Orten der Welt, von einsamen Gebirgsseen und schneebedeckten Gebirgsmassiven.  Doch die Chemie, durch die Outdoor- Bekleidung erst wetterfest wird, hinterlässt ihre Spuren auch an solchen Orten.

Greenpeace-Mitarbeiter haben entlegene Gebirgsseen und Berggipfel in zehn Ländern auf drei Kontinenten besucht und Schnee- und Wasserproben genommen. Die vorliegende Studie belegt das Vorkommen umwelt- und gesundheitsgefährdender per- und polyfluorierter Chemikalien (PFC) in diesen Naturparadiesen.

PFC sind gefährliche Substanzen. Seit 60 Jahren werden sie weitgehend bedenkenlos verwendet und finden sich in vielen Konsumgütern. In der Outdoor-Bekleidungsindustrie werden sie für schmutz- und wasserabweisende Ausrüstungen eingesetzt. Einmal in die Umwelt freigesetzt, werden PFC nur sehr langsam abgebaut und verteilen sich über den gesamten Globus. Die Schadstoffe reichern sich in einsamen Bergseen an, sammeln sich in der Leber von Eisbären in der Arktis und im menschlichen Blut. Einige PFC schaden der Fortpflanzung, fördern das Wachstum von Tumoren und beeinflussen das Hormonsystem. In früheren Untersuchungen hat Greenpeace PFC im Abwasser von chinesischen Textilfabriken und in Speisefischen in China gefunden.  Auch im Trinkwasser wurden PFC nachgewiesen. In Reports von 2012  und 2013 hatte Greenpeace aufgezeigt, dass per- und polfluorierte Chemikalien (PFC) aus Outdoor-Bekleidung durch Auswaschen oder Ausgasen freigesetzt werden können.

Mit der vorliegenden Studie belegt Greenpeace die globale Verbreitung dieser gefährlichen Chemikaliengruppe. Die Konzentrationen sind gering, aber die Messungen zeigen, dass sich in den Proben aller untersuchten Gegenden Spuren von PFC finden. Untersucht wurde Schnee, der im vergangenen Winter gefallen ist. Die Funde spiegeln also eine aktuelle Kontamination wieder. Dabei zeigt sich, dass auch die von der Industrie als ungefährlicher beworbenen sogenannten kurzkettigen PFC  in Proben aller Standorte zu finden sind. In entlegenen Gebirgsseen haben die Greenpeace-Teams ebenfalls PFC gefunden. Diese PFC akkumulieren über mehrere Jahre im Wasser der Seen.

Die Outdoor-Industrie setzt große Mengen an PFC für ihre Produkte ein und ist zwar nicht die einzige, aber eine bedeutende Quelle für Verunreinigungen der Umwelt mit diesen Stoffen. Die Substanzen können bei der Herstellung, dem Transport, der Lagerung und der Nutzung freigesetzt werden, gelangen mit Abwässern aus Fabriken, aber auch aus der heimischen Waschmaschine in die Kanalisation. Längst nicht alle PFC lassen sich in Klärwerken heraus filtern. In die Luft oder in Asche gelangen sie, wenn PFC-haltige Produkte in der Müllverbrennung entsorgt werden oder durch das Ausgasen bestimmter PFC aus den Produktionsstätten, zu einem kleineren Teil auch aus den fertigen Produkten. Ins Grundwasser und in Oberflächengewässer können PFC auch gelangen, wenn sie aus Produkten ausgewaschen werden, die in Mülldeponien entsorgt wurden.

Das Ergebnis der vorliegenden Untersuchung belegt noch einmal, wie wichtig es ist, jede Art von PFC aus allen Bereichen zu entfernen. Besonders die Outdoor-Branche muss dringend aktiv werden um die ganze Gruppe der PFC-Komposita aus ihren Produktionsabläufen zu entfernen. Bedauerlicherweise hat sich bisher keine der 16 großen Outdoor-Marken zum kompletten Verzicht aller gefährlichen Chemikalien bis 2020 verpflichtet. 

 

Publikationen

Weiterführende Links

Info-Überblick von Greenpeace Deutschland