„FanClub Natur“ und das Windgas

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„Whow“ hieß es am Freitag, den 9. November 2012, als die Jugendgruppe „FanClub Natur“ des VIZ (Vogel-Informations-Zentrum) sich wieder im BUND-Umweltzentrum in Sindelfingen traf. Stand da doch viel „Spielzeug“ auf einem grünen Podest herum. Spielzeug? Mal ganz langsam und sachte sich die Sache ansehen.

Kuno, ein Greenpeacer mit Leib und Seele, holte erst mal alle auf den Boden der Tatsachen zurück. Nach dem Einschalten einiger Lampen, die bei trübem Licht die Sonne simulieren sollten, fing es auch gleich an, einem der Modell-Häuser an zu blinken. Kuno konnte hierzu erklären, dass das Dach dieses Hauses mit Solarzellen bestückt ist. Daran sind Leitungen angebracht, die die dort eingefangene Energie in Form von elektrischem Strom zu den Lampen – hier bunt blinkende LEDs – bringen. In der wirklichen Welt ist das ähnlich.
Auf vielen Hausdächern sind schon Fotovoltaik-Anlagen aufgebaut, die die Sonnenenergie einfangen, zu elektrischem Strom wandeln und zumeist in das öffentliche Strom-Netz einspeisen. So können auch die Nachbarn versorgt werden.
Dann ist da ja noch ein Windrad aufgebaut. Wenn man es kräftig anbläst, zeigt ein Messgerät, dass auch hier Strom erzeugt wird. Mit Wind kann ganz schön viel elektrische Energie gewonnen werden – und das auch bei Nacht. Dadurch ergänzen sich Solarzellen und Windenergiekonverter ganz hervorragend. Dabei wird oft auch zu viel Energie eingefangen. Bisher werden Windräder dann einfach abgeschaltet, denn zu viel Energie im Leitungsnetz könnte zur Zerstörung von vielen Geräten führen. Deshalb wird das Stromnetz überwacht und notfalls ein Teil der Anlagen abgeschaltet. Aber die gerade vorhandene Sonnen- oder Windenergie wollen wir nicht einfach verpuffen lassen.

So begann Greenpeace-Energy damit, auch die zeitweise überschüssige Energie praktisch nutzbar zu machen. Dies geschieht dergestalt, dass damit in einem Wandler, Elektrolyseur genannt, Wasser in seine zwei Bestandteile Wasserstoff und Sauerstoff aufgespalten wird. Kuno zeigt dabei auf zwei kleine Brennstoffzellen, denen elektrische Energie und auch Wasser zugeführt wird. In den durchsichtigen Leitungen sieht man durch die Reste von Wasser das Gas langsam durch die Leitungen strömen. Die Leitungen münden in jeweils einem mit Wasser gefüllten Behälter. Der Sauerstoff wird aus dem Behälter ins Freie entlassen – die Atmosphäre enthält ohnehin Sauerstoff. Doch könnte man diesen auch speichern und nutzbringend verwenden. Der Wasserstoff aber wird aus dem Behälter in ein größeres durchsichtiges Rohr geleitet. Dieses Rohr symbolisiert das dichte Netz von Erdgas-Rohrleitungen, das ganz Deutschland mit Gas versorgt.

Und da fängt auch schon in einem Haus am anderen Ende des Rohres etwas an zu blinken. Kuno erklärt, dass nun das Wasserstoffgas durch das Rohr gewandert und bei dem Haus angekommen ist. Dort steht eine Brennstoffzelle, quasi ein umgekehrt arbeitender Elektrolyseur, wo das Wasserstoff-Gas aus dem Rohr und Sauerstoff aus der Luft wieder miteinander reagieren. Als „Abgas“ kommt dann Wasserdampf aus dem Kamin – deutlich harmloser als die Abgase einer Ölheizung. Die bei der Reaktion anfallende Wärme könnte man auch zum Heizen oder zur Warmwasser-Gewinnung nutzen. Solche kleinen Kraftwerke nennt man oft Blockheizkraftwerke, abgekürzt BHKW. Diese kann man an vielen Stellen nutzen.

Ja und da auf dem Modell, neben der Garage mit den Solarzellen auf dem Dach, da ist auch noch ein Auto angeschlossen. Was ist den damit? Der Greenpeacer erklärt, dass hier die eingefangen Sonnenenergie, ebenfalls in einem Elektrolyseur, dabei ist, Wasserstoff und Sauerstoff zu erzeugen, die in einem Tank des Autos gespeichert wird. Später könnte das Auto dann damit fahren. Und das Schöne wäre, dass aus dem Auspuff dann nichts als Wasser heraus käme. Damit würde die Luft und Umwelt wesentlich weniger verschmutzt, als wenn wir, wie bisher, mit Benzin – aber auch mit Elektroautos fahren, da deren Strom derzeit oft in Kohlekraftwerken erzeugt wird.
Nachdem dann am Ende einer abschließenden, sehr ausführlichen Fragerunde über das Für und Wider von Elektro- und Wasserstoff-Autos die „Sonnen“ abgeschaltet worden waren, blinkten die blauen Lampen noch lange Zeit, versorgt durch den Wasserstoff aus der Rohrleitung.

 

 

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