Filmabend: La Buena Vida

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Am 9. Oktober zeigten wir im Umweltzentrum den Dokumentarfilm "La Buena Vida" von Jens Schanze. Er erzählt in ruhigen Bildern vom Leben der Menschen in einem kleinen Dorf in den Wäldern Kolumbiens. Aufgrund des Landbedarfs für die riesige Kohlemine El Cerrejon wird die gesamte Dorfbevölkerung umgesiedelt; die Menschen müssen weichen, verlieren ihre Heimat und die ihrer Ahnen; Wald, Flüsse zum Fischen, fruchtbares Land zum Anbau von Früchten und Getreide wird ersetzt durch die Errungenschaften der "Zivilisation" in Form von Steinhäusern, Elektrizität, Fernsehen und Wasserleitungen. In dem neuen trockenen unbekannten Land sind sie entwurzelt und heimatlos, finden nicht in ein neues Leben.

Was diese fernen Ereignisse mit uns zu tun haben, wird erst gegen Schluss deutlich; der Film zeigt in schnelleren Schnitten die endlosen Züge mit Kohle, die durchs Land zum Hafen an die Küste fahren. Hier wird die Kohle auf Schiffe verladen und in alle Welt exportiert, ein großer Teil nach Europa und Deutschland, wo die Kohle überwiegend zur billigen Stromgewinnung verwendet wird. Der Film schließt mit der Reise von Jairo, dem Anführer der Dorfgemeinschaft, durch die reichen und grünen Landschaften der Schweiz, wo der Dachkonzern der Kohlemine auf der Jahresversammlung den Aktionären erfreuliche Wirtschaftsdaten, hohe Gewinne und Ausschüttungen ankündigt. Die Wortmeldung Jairos und sein kurzer Vortrag über die Situation seines Dorfes wird ignoriert - es geht schließlich ums Geschäft.

Der Film wirkt subtil, ist niemals aufdringlich, lässt Bilder und Stimmen für sich selbst sprechen. Dennoch empfindet man am Schluss die Ungerechtigkeit des Geschehens sehr deutlich; es wird einem klar, dass unsere Art zu leben Folgen auf der ganzen Welt, auch im entlegendsten Winkel Kolumbiens, hat und dass die Globalisierung Gewinner und Opfer kennt - letztere allerdings fast nie bei uns.

Im Anschluss gab es noch eine sehr interessante Diskussion, da eine der Zuschauerinnen aus Kolumbien kam und die Darstellung des Films mit eigenen Schilderungen ergänzen und bereichern konnte. 

 

 

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