Fleisch frisst Wald

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Sie erinnern sich: früher grasten Kühe auf den Wiesen der Bauernhöfe, Schweine und Geflügel wurden mit dem ernährt, was hier an- und abfiel. Das ist schon lange nicht mehr so. Durch die industrialisierte Tierhaltung (Betriebe unter 10 000 Schweinen sind kaum mehr rentabel) muss das Futter gekauft werden. Billiges Kraftfutter in Form von Soja wird deshalb v.a. aus Südamerika und den USA importiert, die EU ist der zweitgrößte Sojaimporteur der Welt. Wir mästen die Schweine um einen großen Teil Schweinefleisch dann nach China zu exportieren - da die Gülle der Tiermassen nicht mehr auf eigenem Grund verwertet werden kann, gelangt sie ins Grund- und Trinkwasser, verseucht dieses mit Nitrat und führt zur Eutrophierung der Meere. Ein tolles Geschäftsmodell, das ökonomisch Sinn machen mag, aber bei Betrachtung der Gesamtsituation völliger Irrsinn ist.

Die Amazonasregenwälder brennen!

Die Feuer werden gelegt um Weideflächen oder Platz für neue Sojaanbaugebiete (in Südamerika zu 95% gentechnisch verändertes Soja) zu schaffen. Die brasilianische Landwirtschaft, Klientel des neuen Präsidenten Jair Bolsonaro, freut sich über Geschäfte und vernichtet massenhaft Regenwald. Die Regenwälder in Südamerika sind nicht nur mit die artenreichsten Gebiete der Welt, sondern speichern immense Mengen CO2 und sind für das feuchte Klima und den Regen mitverantwortlich. Ein weitgehendes Absterben dieser Wälder zählt zu den gefürchteten Kipppunkten, der die Klimakrise unumkehrbar macht. Doch schnelles Geld jetzt ist wichtiger als eine lebbare Zukunft später. 

Deshalb gingen heute Greenpeace-Gruppen in über 50 Städten auf die Straße um unter dem Titel "Fleisch frisst Wald" über Zusammenhänge und Lösungsmöglichkeiten zu informieren. Als Verbraucher könnten wir durchaus dafür sorgen, dass an den Produktionsorten im Ausland eine klar nachprüfbare Einhaltung von Mindestanforderungen an Umweltschutz und Sozialstandards eingehalten werden, ansonsten darf die Ware nicht in Deutschland importiert werden. Das würde Auswüchse wie die Rodung der Regenwälder ebenso mindern wie auch z.B. die Billigtextilherstellung in Asien unter katastrophalen sozialen Bedingungen. Transparenz über die gesamte Herstellungs- und Lieferkette -ein Lieferkettengesetz- ist das, was wir heute mit Unterschriften einforderten. Daneben können auch Kommunen aktiv werden und für kommunale Kantinen, für Schulen und Kindergärten die Verwendung von Billigfleisch untersagen bzw. eine Empfehlung zur Nutzung von Bio-Fleisch aussprechen, das nicht mit Sojanahrung aus Südamerika gefüttert werden darf. Billiger als die Zerstörung der Regenwälder ist dies allemal.

Trotz des schwierigen Themas Fleisch, bei dem man wie beim "Auto" in Deutschland mit hochemotionalen Reaktionen rechnen muss, war die Resonanz weit besser als erwartet und wir erhielten auf dem Wochenmarkt in Sindelfingen ca. 60 Unterschriften, verteilten zahllose Flyer. Die Liste zum Unterschreiben ist auch im Anhang angefügt.

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