Insektensterben

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Mittlerweile ist die Tatsache, dass wir in den letzten Jahrzehnten einen dramatischen Rückgang an Insekten erfahren (bis 75% Biomasse) allgemein angekommen und akzeptiert. Bestäuber – dazu zählen Wild- und Honigbienen, aber auch viele andere Insekten – spielen für die Landwirtschaft und Nahrungsmittelproduktion eine entscheidende Rolle. Drei Viertel der weltweit gehandelten Nutzpflanzen hängen mehr oder weniger  von der Bestäubung durch Insekten ab. Doch diese so wichtigen Blütenbesucher schweben in höchster Gefahr. So verzeichnen einige Wildhummelarten dramatische Rückgänge und sind gebietsweise oder weltweit bereits ausgestorben. Die für andere Bestäuber verfügbaren Daten zeichnen ein ähnlich besorgniserregendes Bild.

Der Rückgang der Bestäuber ist ein Symptom unseres gescheiterten industriellen Agrarsystems. Eine Fülle wissenschaftlicher Daten weist darauf hin, dass die industrielle Landwirtschaft durch den fortschreitenden Biodiversitätsverlust, die Zerstörung von Nahrungshabitaten und den Einsatz giftiger Chemikalien zur Unkraut- und Schädlingsbekämpfung die Zukunft der bestäubenden Insekten, auf die sie dringend angewiesen ist, bedroht. Eine besondere Rolle spielen Neonicotinoide, die hochgiftig sind für Insekten, darunter auch Bienen, Wilbienen und Hummeln. Vor wenigen Wochen wurden drei weitere Substanzen dieser Gruppe in der EU für den Freilandeinsatz verboten (auch Beizung von Saatgut), andere sind weiter im Handel (Recherche im Gartenfachmarkt diese Woche); in Gewächshäusern ist der Einsatz weiterhin erlaubt - viele der Pflanzen werden natürlich dann im Freien angepflanzt.

Die Leopoldina-Nationale Akademie der Wissenschaften hat vor wenigen Tagen eine Untersuchung zu dem Thema veröffentlicht (s. Anhang) und konstatiert "Die intensive, konventionelle Landwirtschaft lässt sich in der heutigen Form aus vielen Gründen nicht langfristig fortführen; ihre Umweltbelastungen (z.B. Nitratbelastung des Grundwassers, Habitatverlust für Vögel und Insekten, Bodenverdichtung, Verlust der biologischen Vielfalt einschließlich der Diversität von Fruchtpflanzen) sind zu hoch und dennoch ist der wirtschaftliche Ertrag für viele Landwirte zu niedrig. Die Pestizidproblematik muss als ein wichtiger Aspekt dieses systemischen Problems und seiner Lösungen gesehen werden." und "die Risiken durch Chemikalien (werden) systematisch unterschätzt."

Die wissenschaftlichen Befunde sind alarmierend und bestätigen das, was Umweltverbände schon seit Jahren fordern, nämlich eine komplette Wende in der Agrarwirtschaft.

Die Stadt Sindelfingen hat sich dieses Themas sehr intensiv angenommen und durch das N.E.S Naturerlebnis Sindelfingen mehrere Aktivitäten in Gang gesetzt, die am Sonntag, dem 3. Juni in eine Ganztagsveranstaltung mit Vorträgen, Filmvorführung und Exkursionen (im Umweltzentrum, Vogel- und Streuobstwiesenzentrum) mündete - wir waren mit Infos und Vorführung des Films "More than Honey" mit dabei. Vorbereitend wurden am 26. Mai und in der Woche davor Infoaktionen durchgeführt; Kinder hatten die Möglichkeit durchs Mikroskop die faszinierende Welt der Insekten zu erkunden, was auf großes Interesse stieß. Zudem stellten Kinder  Blumen und Bienen dar und den "Erfolg" einer Pestizidbehandung (s. Photo).

Am 3. Juni wurde mit Exkursionen Interessierten die Welt der Insekten näher gebracht. Den Abschluß bildete ein Vortrag von Prof. Dr. Steidle/Uni Hohenheim, der zum einen das Vorliegen des "Insektensterbens" bestätigte und untermauerte, die wesentliche Ursache in der industrialisierten Landwirtschaft sah und dieses darlegte; Möglichkeiten diesem Prozess entgegen zu wirken, wurden angesprochen. Ein "weiter so" zerstöre den wichtigsten Pfeiler unserer Ökosysteme!

 

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