Lage der Natur in Deutschland

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Fast könnten wir uns freuen, dass wir recht behalten haben, wenn es nicht um die Lage der Natur in Deutschland gehen würde, deren Zustand wir zutreffend als schlecht eingeschätzt haben:

Es geht ihr nämlich wirklich schlecht!

Gerade erschien der Report vom Bundesministerium für Umwelt und dem Bundesamt für Naturschutz, der alle 6 Jahre erstellt wird und den Zustand von Arten und Lebensräumen nach Vogelschutz- und FFH-Richtlinie beurteilt. Als Ergebnis werden nur 30% der Lebensräume und 25% der Arten als "in einem guten Zustand" beurteilt, der Rest ist unzureichend oder schlecht. Wenn man diese Befunde differenziert, fällt auf, dass das "Grünland", also überwiegend landwirtschaftlich genutzte Flächen, mit am Schlechtesten abschneidet: über 90% dieses Lebenraumes ist in einem schlechten bzw. unzureichenden biologischen Zustand. Gleichzeitig findet sich ein erheblicher Rückgang der dort lebenden Vogelarten wie Braunkehlchen, Kiebitz, Rebhuhn, Felddrossel oder Star. Schlimm sieht es insbesondere auch für Insekten, insbesondere Käfer, Schmetterlinge und Libellen sowie für Amphibien aus.

Als "Treiber" dieser Veränderungen sieht der Bericht eindeutig die industrielle Landwirtschaft; auf den ersten 8 von insgesamt 13 Plätzen liegen Eingriffe des Agrarsektors:

"Betrachtet man die Gründe für die oben beschriebenen insgesamt eher negativen Entwicklungen für den Schutz der Biodiversität in Deutschland, so stellt sich die Frage nach den maßgeblichen Ursachen. Die wichtigsten Beeinträchtigungen der gefährdeten Lebensräume und Arten sind nach der Analyse der Berichte:

  •   hohe Nährstoffeinträge durch landwirtschaftliche Düngung und aus der Luft (atmosphärischer Stickstoffeintrag) sowie Gewässerverschmutzung aus Landwirtschaft, Verkehr, Energie- erzeugung, Industrie, Gewerbe und Haushalten,

  •   Nutzungsänderungen landwirtschaftlicher Flächen und in Wäldern, einschließlich der Aufgabe traditioneller Nutzungsformen wie z.B. Beweidung von Magerrasen oder Nieder- und Mittelwaldwirtschaft,

  •   Erhöhung der Nutzungsintensität, etwa durch Erhöhung der Mahdhäufigkeit beim Grünland,

  •   Entwässerung land- und forstwirtschaftlicher Nutzflächen sowie Grundwasserentnahme für unterschiedliche Zwecke,

  •   Veränderung der Hydrologie und Morphologie von Gewässern,

  •   Einsatz von Pestiziden, vorwiegend in der Landwirtschaft, aber partiell auch in der Forstwirtschaft,

  •   land- und forstwirtschaftliche Nutzungen bzw. Nutzungsänderungen, die zum Verlust von Kleinstrukturen in der Landschaft oder Alt- und Totholz bzw. Altbaumbeständen führen,

  •   Veränderung der Artenzusammensetzung durch ungelenkte Sukzession, oft im Zusammenhang mit Nutzungsaufgabe unrentabler Flächen,"

Der Bericht benennt auch klare Forderungen um die desolate Situation unserer Landschaften zu verbessern und das Artensterben abzuschwächen:

"Eine Schlüsselstellung nimmt daher die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) ein: Für einen angemessenen Schutz der Arten und Lebensraumtypen ... ist eine grundlegende Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) in der nächsten Förderperiode Voraussetzung ... Die Förderung in der GAP ebenso wie nationale Subventionen müssen konsequent dem Ziel folgen, alle Subventionen (z.B. Steuerermäßigungen) und Zahlungen nach dem Grundsatz „Öffentliches Geld für öffentliche Leistungen“ auszurichten (BfN 2017a, BfN 2019a). Dabei sind insbesondere Maßnahmen stärker zu fördern, die nachweislich eine hohe Wirksamkeit hinsichtlich der gewünschten Leistungen für die biologische Vielfalt aufweisen"

Die GAP Gemeinsame Agrarpolitik der EU wird gerade für die nächsten 7 Jahre festgelegt und ist ein zentrales Instrument der Agrarsteuerung. Statt weiterzumachen wie bisher und wertvolle biologische Lebensgrundlagen zu zerstören, muss sie nachhaltig ausgerichtet werden, was selbst der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung für Agrarfragen fordert (siehe Anlagen). Auch Greenpeace hat eine kurze und klare Stellungnahme publiziert (auch Anlage).

Ursprünglich hatten wir im April gemeinsam mit der VHS eine Vortragsveranstaltung zu diesem Thema mit Prof. Luick von der forstwirtschaftlichen Hochschule in Rottenburg, und Prof. Haakh, dem technischen Geschäftsführer der Landeswasserversorgung Baden-Württemberg, geplant, die aber aufgrund der Corona-Pandemie ausfiel. Wir hoffen, dass wir diese im Herbst nachholen können.

 

 

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