Messe Sindelfingen: Fracking

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Thema dieses Jahr war die Gewinnung von Erdgas aus unkonventionellen Quellen mittels "Hydraulik Fracking". Wie in den letzten Jahren hatten wir auch dieses Jahr wieder die Möglichkeit unsere Angelegenheit zu präsentieren. Dieses Jahr stand das Thema Fracking im Fokus. Anhand von Plakaten und eines Vortrages am Freitag erläuterten wir die Gasreserven und Ressourcen sowie die technische Hintergründe des "Hydraulic Fracking". Dabei zeigten wir auch die Risiken dieser Methode zur Gewinnung von Gas aus unkonventionellen Gaslagerstätten auf.

FRACKING - WAS IST DAS?

Inhaltübersicht:

  1. Wozu bracht man Fracking
  2. Das Verfahren
  3. Gas und Energie im Überfluss
  4. Probleme und Risiken
  5. Geologie Was passiert in der TIefe
  6. AUF dem Boden: Verbrauch an Ressourcen
  7. IN den Boden
  8. AUS dem Boden
  9. Fracking in Deutschland
  10. Eine kleine Rechenaufgabe
  11. Deckung des Gasbedarfs in Deutschland
  12. Gaseinsparung statt Fracking
  13. Grundproblematik bei Fracking
  14. Unser Fazit

WOZU BRAUCHT MAN FRACKING?
 

Bekannt ist die Erdgasförderung aus "konventionellen" Lagerstätten. Das Gas tritt ohne größeren Aufwand aus. Es können daher große zusammenhängende Vorkommen angebohrt und das Erdgas relativ einfach gewonnen werden. In vielen Ländern ist Gas aus konventionellen Gaslagerstätten erschöpft, daher geht man zur Förderung aus "unkonvenrionellen" Lagerstätten über.
Das Gas in "unkonventionellen Lagerstätten" befindet sich in undurchlässigen Gesteinsschichten und kann nur durch massive äußere Einwirkung, dem „Fracking“, genauer „Hydraulic Fracturing“, gewonnen werden.
Beim Fracking wird das Gestein aufgebrochen, indem große Mengen Wasser und Chemikalien unter hohem Druck in den Boden gepresst werden um Risse zu erzeugen, welche die eingeschlossenen Gasbläschen zugänglich machen.

 

Das Verfahren:

  1. Erkundung potentieller Lagerstätten z.B. mittels seismographischer Messungen.
  2. Probebohrungen und Wasserbohrungen
  3. Vertikale Bohrung bis zur angestrebten Gesteinsschicht
  4. Horizontale Bohrung in der Zielschicht
  5. Fracking, d.h. Aufbrechen der Gesteinschicht durch Verpressen der Frackingflüssigkeit
  6. Je nach Gesteinsschicht wird mehrfach nacheinander horizontal gebohrt und gefrackt
  7. Stützmittel (Sand, Bauxit) verhindern ein Verschliessen der Risse
  8. Die Frackingflüssigkeit wird nach oben gedrückt, das Gas abgetrennt
  9. Förderung: anfangs wird das Gas abgefackelt und die Frackingflüssigkeit abgetrennt
  10. Die reguläre Förderung beginnt unter Abtrennung des Fluids
  11. Ist die Quelle erschöpft, erfolgt Verschluss mit Beton.

GAS UND ENERGIE IM ÜBERFLUSS?

Grundsätzlich gibt es noch viel Gas auf der Erde, der Aufwand zur Förderung (Kosten und Energie) wird aber immer höher, so dass irgendwann ein Abbau auch ökonomisch nicht mehr sinnvoll ist. Größere konventionelle Gasreserven gibt es nur noch im Nahen Osten und in Russland - eine große Menge unkonventionelles Gas ist vorwiegend als Ressource vorhanden,  mit Schwerpunkt in Amerika.
Dabei versteht man unter Ressourcen Gasmengen, die zwar technisch abbaubar sind, aber mit hohen Förderkosten und hohem Risko einer Umweltbelastung verbunden sind, Reserven können dagegegen mit heutigen Mitteln und zu aktuellen Preisen realistisch gefördert werden.

Gasförderung durch Fracking benötigt riesige Landflächen:

Rasches Versiegen des Ertrags der Bohrlöcher erfordert immer mehr Bohrungen mit hohem Landverbrauch. Derzeit werden 32000 pro Jahr in USA durchgeführt , die Gesamtzahl beträgt aktuell etwa 1,3 Mio.
Wie lange Schiefergas in großer Menge gefördert werden kann, ist unklar.

Die Schätzungen liegen weit auseinander und reichen von 5 - 50 Jahren!

FRACKING - PROBLEME UND RISIKEN

GEOLOGIE - WAS PASSIERT IN DER TIEFE:

Die Tiefenbohrung allein birgt bereits Risiken, da viele Parameter mit Unsicherheitsfaktoren behaftet sind. Weil bis zu 5000m vertikal und bis zu 1500m horizontal gebohrt wird, besteht ein hohes Risiko auch Gesteinsschichten mit Grundwasser und solche mit problematischen Mineralien zu durchstoßen. Dabei können Giftstoffe aus den Gesteinsschichten selbst wie z.B. Arsen oder Schwermetallverbindungen (z.B. Quecksilber) mit Trinkwasser in Berührung kommen.
Die Trennung dieser Schichten über lange Zeiträume auch nach Abschluss der Gasförderung ist unrealistisch: Kräfte in der Tiefe können die Betonummantelungen beschädigen. Gerade die potentiellen Frackinggebiete im Rheintal oder im Bodenseeraum sind Erdbebenrisikogebiete. Fracking selbst kann kleinere Beben auslösen.

AUF DEM BODEN- VERBRAUCH AN RESSOURCEN:

FLÄCHENBEDARF:
Die Bohrungen sind mit einem hohen Flächenverbrauch verbunden:

Pro Bohrstelle sind mindestens 1km2 an Fläche notwendig (Zufahrtstraßen zur Erschließung, lokale Lagerbecken für Flowback).

Die Anwohner müssen einen massiven LKW Verkehr ertragen. Planungen in Europa sehen einen Minimalabstand von 200m zu Häusern vor!

WASSERBEDARF:
Der Wasserverbrauch liegt bei bis zu 20.000m3 Wasser pro Bohrloch. Dies entspricht mehr als 340 Tanklastzügen mit je 58m3 Kapazität.

Daher werden immer ausreichend ergiebige Wasserquellen benötigt.

IN DEN BODEN - DIE GIFTSTOFFE IN DEN FRACKING FLUIDS:

Für das Fracking werden bis zu 20.000m 3 Flüssigkeit, das sogenannte "Fracking Fluid", benötigt. Die Zusammensetzung wird für jede Bohrstelle angepasst.
Neben großen Mengen Wasser sowie Stützmitteln wie Bauxit oder Sand (90-98%) können bis zu 500 unterschiedliche Chemikalien enthalten sein, von denen 50-90% im Boden verbleiben.
Einige Beispiele:
Emulgatoren (zum besseren Herauslösen aus dem Gestein), Biozide (gegen Verkeimung und Verschluss der Poren) aus der Gruppe der Isothiazolinone gehören der höchstmöglichen Wassergefährdungsklasse 3 an und sind somit stark wassergefährdend.
Bekannt: Toluol (Schädigung Nervensystem und Lunge), Formaldehyd (krebserregend), Methanol (giftig, wird vom Körper in Formaldehyd umgewandelt)
Weniger Bekannt: Tetramethylammoniumchlorid ist laut Sicherheitsdatenblatt in die Wassergefährdungsklasse 1 eingestuft und soll nicht in Gewässer gelangen.
Wechselwirkungen mit anderen Stoffen in der Umwelt und in den Gesteinsschichten sind nicht oder kaum erforscht.

AUS DEM BODEN - FLÜSSIGKEITEN UND GASE:

Flowback:
Ein Teil der oben genannten Flüssigkeiten -10-50%, je nach Bedingungen und Aufbereitungsgrad -werden wieder als "Flowback" nach oben gedrückt. Dabei können je nach Gesteinsschicht schwermetallhaltige, radioaktive oder mit anderen Schadstoffen (z.B. Arsen) belastete Schlämme ausgeschwemmt werden. Diese müssen sicher gelagert und aufwendig aufgearbeitet werden. Dabei besteht ein hohes Risiko der Kontamination von Böden und Gewässern.
Quelle: UVA Studie Juli 2014: Umweltauswirkungen von Fracking bei der Aufsuchung und Gewinnung von Erdgas insbesondere aus Schiefergaslagerstätten
Methan:
Bei der unkonventionellen Gasförderung gelangen um ca. 20% größere Mengen des Treibhausgases Methan in die Atmosphäre als bei der konventionellen Förderung.
Methan ist dabei mindestens 22fach bis 100fach so klimawirksam wie CO 2. Ein Teil des Gases wird dabei bereits vor Ort zu CO 2 abefackelt und trägt auch so zur globalen
Erwärmung bei (sog. Gasflaring).
Darüber hinaus können problematische Dämpfe und weitere Gase freigesetzt werden. Reduziert werden kann die Abgabe der Gasmengen und Dämpfe nur durch sehr teure und energieaufwendige Verfahrensweisen.

FRACKING IN DEUTSCHLAND?

Mögliche Ressourcen an Schiefergas in Deutschland liegen überwiegend in der norddeutschen Tiefebene, in Süddeutschland im Gebiet des Rheintals und der Bodensee-Donau-Region vor. Seit längerem werden Probebohrungen in Niedersachsen durchgeführt und es bestehen Anträge für Erkundungen am Bodensee.


Macht Fracking in Deutschland Sinn?
2012 wurden 89 Mrd.m3 Gas verbraucht, das entspricht 22% des Primärenergieverbrauchs. Mehr als 90% davon dienen der Wärmegewinnung.


Eine kleine Rechenaufgabe:
Bei einem Gasverbrauch von 89 Mrd.m3/Jahr
liegen ca. 1300 Mrd.m3 Ressourcen an Schiefergas in Deutschland vor
(= technisch abbaubar, die Kosten ca. 50% höher als in den USA).
Real abbaubar dürften ca. 600 Mrd.m3 in Deutschland sein,
da 60% der Vorkommen in Schutzgebieten liegen.

Wie lange könnte Deutschlands Gasbedarf mittels Fracking gedeckt werden?

FAZIT:
Durch Fracking könnte man maximal 6 bis 10 Jahre den Gasbedarf Deutschlands abdecken!

Fracking ist bei uns wahrscheinlich technisch machbar,
aber ökonomisch wenig sinnvoll
und ökologisch verheerend .


Wollen wir diesen Preis für wenige Jahre Gas bezahlen?

GASEINSPARUNG STATT FRACKING ?

Durch intensivierte Wärmedämmung und Heizungsrenovierung könnte innerhalb von 40 Jahren
die Energie der gesamten förderbaren deutschen Schiefergasressourcen eingespart werden.
(Quelle: ecosys2014)

Grundproblematik beim Fracking:

FRACKING setzt weiter auf fossile Energieträger . Ein Überangebot an Gas verdrängt neben Kohle auch erneuerbare Energien und verhindert dadurch den notwendigen Wandel.
Es ist somit keine Reduktion des CO2-Ausstoßes zu erwarten (Quelle: u.a. Iea2012, mit2011).

Unser Fazit zu Fracking:

FRACKING LIEFERT MIT IMMER HÖHEREM AUFWAND UND IMMER GRÖSSERER
UMWELTBELASTUNG KURZFRISTIG VIEL GAS
UND FÜHRT WEITER IN DIE SACKGASSE KLIMAWANDEL

© Greenpeace Böblingen-Sindelfingen

i.A. Christian Weber 2015

Publikationen

Weiterführende Links

Fracking ist keine Zukunftstechnologie
Website der Messe Haus & Energie
Umweltbundesamt zu Fracking
Unterschreiben Sie gegen Fracking:
BUND zu Fracking
GEO Magazin zu Fracking
Zum Thema Windgas

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