Rundbrief März 2015

Media

Liebe Freunde und Interessierte, wir freuen uns, Sie/Euch auch im Jahr 2015 durch unseren vierteljährlichen Rundbrief über unsere Aktivitäten und Neuigkeiten informieren zu dürfen.

Rückblick:

 

Messe Haus und Energie in Sindelfingen

Wie schon seit vielen Jahren nahmen wir auch in diesem Januar an der Messe Haus und Energie in Sindelfingen teil. Wir informierten zum Thema Fracking durch Plakate, Infomaterial und einem Vortrag.

Fracking (eigentlich Hydraulic Fracturing) ist ein Verfahren, bei dem große Mengen Wasser und Chemikalien (bis zu 20 000m 3 pro Frack) mit hohem Druck in den Boden gepresst und so Gesteinsschichten aufgebrochen werden um an eingeschlossene Gas- und Ölmengen zu gelangen. Üblicherweise liegt Erdgas (und auch –öl) in Form von großen zusammenhängenden Blasen vor, die angebohrt und leicht gefördert werden können (konventionelles Gas).
In vielen Ländern sind aber konventionelle Lagerstätten bereits erschöpft (nur noch größere Reserven im Nahen Osten und Russland), so dass man dazu übergeht, Gas aus „unkonventionellen“ Lagerstätten zu fördern. Hier handelt es sich meist um schwer zugängliche Gasbläschen in Schiefer oder Kohle, die durch Vertikal- und Horizontalbohrungen (bis zu 5000m tief) und mittels massiver Gewalt aufgebrochen werden. Dabei verbleibt 50-90% der eingesetzten Lösung im Boden mit der Gefahr, irgendwann einmal ins Grund- und Trinkwasser zu gelangen. Da ein großer Teil der Chemikalien toxisch oder sogar kanzerogen ist, stellt dies ein erhebliches, unklares Langzeitproblem dar.

Außerdem lässt der Ertrag rasch nach, so dass eine Bohrstelle meist nach ein bis drei Jahren erschöpft ist. Das führt dazu, dass permanent neue Bohrstellen installiert werden (derzeit etwa 32 000/Jahr in den USA, die Gesamtzahl dort liegt bei 1,3 Mio.). Pro Bohrstelle wird eine Fläche von mindestens 1 qkm benötigt. Der Flächenbedarf ist daher immens, die entsprechenden Folgen für die Landschaft –hier in Wyoming- sind unübersehbar:
Der Rückfluß aus den Bohrungen (Flowback) enthält neben dem Gas eine große Menge von gelösten Substanzen aus der Tiefe, z.B. Schwermetalle, radioaktive Substanzen oder toxische Stoffe wie Arsen. Dieser Schlamm wird in der Regel in Becken gelagert (Grundwasserkontamination bei Leck) und nach Abschluß der Bohrungen wieder im Boden verpresst. Kurzfristig kann man so große Mengen Gas (in geringerer Menge auch Öl) gewinnen, allerdings sind die förderbaren Mengen auch hier begrenzt. Man schätzt, dass die Förderung in den USA vermutlich in den nächsten 5-15 Jahren deutlich nachlassen wird.

Die geschätzte Menge von unkonventionellem Gas in Deutschland würde nach den optimistischsten Schätzungen der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe für 5-8 Jahre ausreichen, die Schätzung der US-Experten, die Vorräte bisher meist deutlich überschätzt haben, liegt weit darunter.

In Süddeutschland sehen derzeit noch theoretische Planungen Bohrungen nördlich des Bodensees von Konstanz bis Wangen im Allgäu vor, der Minimalabstand zu bewohntem Gebiet wird mit 200m angegeben.

Es stellt sich sehr die Frage, ob diese Zerstörungen wenige Jahre Gasversorgung wert sind. Das Hauptproblem des Frackings ist allerdings, dass weiter auf die Verbrennung fossiler Energien gesetzt wird, was uns immer tiefer in die Sackgasse Klimawandel führt.

Selbst Fracking-freundliche wissenschaftliche Publikationen warnen davor, dass Fracking die wichtigen Investitionen in nachhaltige Energien gefährden könnte.

Zu Artikel und Themenseiten

 

Zwei Vorträge zum Thema TTIP

In Zusammenarbeit mit dem „Weltladen Herrenberg-Partnerschaft Dritte Welt e.V.“ veranstalteten wir am 19.2.15 im beeindruckenden Ambiente alter Handwerkskunst in der Hofscheuer in Herrenberg einen Vortrag zum Thema Freihandelsabkommen. Am folgenden Tag fand ein zweiter Vortrag im Arbeiterzentrum der katholischen Betriebsseelsorge in Böblingen statt. Beide Vorträge wurden von Jürgen Knirsch gehalten, Campaigner bei Greenpeace Deutschland und Experte zum Thema Freihandelsabkommen. Seit 1999 ist Jürgen Knirsch mit dem Thema Welthandel befasst.

Er spannte einen Bogen vom Handel im Allgemeinen über die Motivation, Freihandelsabkommen anzustreben bis hin zu den Details von TTIP und CETA und deren Auswirkungen im Besonderen. Dabei konnte er seine Erfahrungen aus der Gründungsphase der WTO, der Welthandelsorganisation einbringen, die er bereits sehr früh begleitete. Es folgte eine detaillierte Darstellung der aktuellen Situation, aber auch der Mechanismen von TTIP und CETA. Schließlich wurden an Hand zahlreicher konkreter Beispiele die Risiken für Mensch und Umwelt dargelegt, wie z.B. das Aushebeln von Umweltstandards, Arbeitsrechten oder kulturellen Errungenschaften.

Sehr umstritten ist der Investitionsschutz für Konzerne und die Klagemöglichkeit vor privaten Schiedsgerichten, die sich über die nationale Rechtsprechung hinwegsetzen könnten.

So klagt die kanadische Firma Lone Pine gegen die Provinzregierung von Quebec, die ein Fracking-Moratorium wegen Trinkwassergefährdung plant; dabei klagt sie aber nicht vor einem kanadischen Gericht (mit wenig Erfolgschancen), sondern über ihre Niederlassung in den USA vor einem privaten Schiedsgericht unter Berufung auf das NAFTA- Freihandelsabkommen!

  • Der Zigarettenkonzern Philip Morris verklagt Australien und Uruguay im Rahmen von Freihandelsabkommen, weil diese die Bestimmungen zum Nichtraucherschutz und Zigarettenverkauf verschärfen wollten. Neuseeland, welches Ähnliches plante, stellte diese Verordnungen zurück um nicht auch verklagt zu werden.
  • Vattenfalls Klage vor einem Schiedsgericht gegen Hamburg wegen Umweltauflagen für ein Kohlekraftwerk führte dazu, dass die Stadt aufgrund der ruinösen Schadensersatzforderung von 1,4 Mrd. Euro ihre Umwelt- und Trinkwasserschutzstandards drastisch nach unten korrigierte (Uruguay gab übrigens gegenüber Philip Morris auch nach)!
  • Es bedarf gar keiner Klage mehr, da Staaten schon im vorauseilenden Gehorsam aus Furcht vor horrenden Schadensersatzforderungen der Konzerne Gesetze und Verordnungen anpassen. Mit dem im TTIP implementierten „Regulatorischen Kooperationskörper“ sollen künftig zudem Gesetze schon vorab auf ihre Auswirkung auf den Handel geprüft und bewertet (und abgelehnt?) werden!

Warum nehmen wir diese Aushebelung nationaler Gesetzgebung und Gerichtsbarkeit einfach so hin? Sehen wir Trinkwasser- und Umweltschutz, Arbeitsrecht und Gesundheitsvorsorge tatsächlich nur noch als „Handelshemmnisse“?

Auch der eigentliche Hintergrund des berüchtigten "Chlorhühnchens" wurde erläutert, welches leider zu gerne belächelt wird. Dabei gerät das eigentliche Problem in den Hintergrund: wenn man, wie in den USA, das „Produkt“ Huhn nach dem Schlachten in ein Chlor-Desinfektionsbad einlegt, muss man sich um eine hygienische und artgerechte Tierhaltung nicht mehr kümmern! Und was passiert eigentlich mit der hochgiftigen Chlorlösung, die hierbei in gewaltigen Mengen anfällt?
In den USA und der EU gelten auch völlig unterschiedliche Zulassungsregelungen für Chemikalien. Während in Europa das Vorsorgeprinzip gilt und Firmen nachweisen müssen, dass ihre Produkte unschädlich sind, werden in den USA Stoffe relativ rasch zugelassen; bei Schäden sind dann hohe Schadenersatzklagen möglich. So sind in europäischen Kosmetika über 1300 Substanzen verboten, in den USA nur acht!
Jürgen Knirsch wurde in der engagiert geführten Diskussion im Anschluss nicht müde zu betonen, dass TTIP und CETA von der Zivilgesellschaft noch verhindert werden können. Möglicherweise bestünde im Gegensatz zu anderen Abkommen bei TTIP und CETA zum ersten Mal eine realistische Chance erfolgreich gegen diese Bedrohung vorzugehen.

 

8. März 2015  Teilnahme an der Anti-Atomkraft-Demonstration in Neckarwestheim

Anlässlich des vierten Jahrestages der Havarie der Kernreaktoren in Fukushima nahmen Mitglieder unserer Gruppe an der Demonstration zum Kernkraftwerk Neckarwestheim teil. Diese Aktion sollte daran erinnern, dass diese Katastrophe nicht vergessen werden darf. Das Verhalten einer Reihe von Entscheidungsträgern zeigt aber vielmehr, dass sie dies nur zu gerne in Vergessenheit geraten lassen wollen.
Zur Sprache kam die aktuelle Situation in Neckarwestheim, insbesondere Details zur Planung für den Rückbau des abgeschalteten Blocks, zu Lagerung und Abtransport der teilweise radioaktiven Bauteile. Kai Baudis, stellvertretender Landesvorsitzender des BUND Baden-Württemberg berichtete von Bauarbeiten an einem Zwischenlager vor Ort ohne Genehmigung.
Ein weiteres wichtiges Thema war die Situation in und um die havarierten Reaktorblöcke in Fukushima. Schockierende medizinische Fakten nannte Dr. Angelika Claußen, Mitglied der Ärzte zur Verhütung des Atomkrieges, Ärzte in sozialer Verantwortung (IPPNW), unter anderem eine stark erhöhte Rate an Schilddrüsenerkrankungen und stark dezimierte Anzahl an weißen Blutkörperchen bei vielen Betroffenen, mit der Folge einer geschwächten Immunabwehr und damit einer höheren Anfälligkeit für Erkrankungen.

Sie schilderte auch die verzweifelten Versuche der Tepco Mitarbeiter, mit dem strahlenden Müll aus den havarierten Reaktormeilern umzugehen. So ist aktuell vorgesehen, die mit radioaktiven Partikeln kontaminierten Flüssigkeiten durch Filteranlagen zu pressen. Dabei wird das radioaktive Tritium (superschweres Wasser) von der japanischen Regierung kurzerhand für ungefährlich erklärt. Es lagert sich auch in Meeresbewohnern, z.B. den Fischen ein und gefährdet somit Nahrungsmittel und den Lebensunterhalt der Fischer.

Artikel und Bilder finden hier.

 

Thema Plastik

Zu unserem diesjährigen „Jahresthema“ haben wir das Thema Plastik gewählt. Auch politisch ist das Thema gerade aktuell, so sollen neue EU-Richtlinien zu einem reduzierten Verbrauch an Plastiktüten führen.
Weltweit werden pro Jahr mindestens 280 Millionen Tonnen Kunststoffe erzeugt, davon werden lediglich 3% recycelt, der Rest landet auf ins Unermessliche wachsenden Mülldeponien, in der Umwelt und vor allem auch in den Meeren. So gelangen jährlich bis zu 25 Millionen Tonnen Plastik in die Meere. Da Plastik viele Jahrhunderte braucht, um zersetzt zu werden, vergrößern sich die Müllstrudel in den Meeren täglich. In diesen Strudeln beträgt das Verhältnis Plankton zu Plastik bereits 6:1. Über 80% der Meeresoberflächen sind mit Mikroplastik verschmutzt. 70% des Mülls gelangen auf den Meeresgrund. So liegen auf dem Grund der Nordsee schätzungsweise 600 000 Kubikmeter Plastikmüll.
Hunderttausende von Meeressäugern und Millionen von Meeresvögeln sterben jährlich qualvoll durch den Plastikmüll weil sie sich darin verheddern, strangulieren oder den Müll für Nahrung halten und sich und ihre Jungen damit ernähren, was zu Verhungern bei vollem Magen führt.

Auch der Zersetzungsprozess des Plastiks beinhaltet Gefahren. So werden bei der Zersetzung der Kunststoffe zum Teil gesundheitsschädliche und giftige Stoffe freigesetzt, die als 10Flammschutzmittel, Farben oder Weichmacher dem Plastik zugesetzt wurden und nun in die Umwelt gelangen.
Mikroplastikteile werden von Meerestieren aufgenommen und gelangen somit auch in die Nahrungskette des Menschen, in dessen Blut man bereits Mikroplastik nachweisen kann. Ebenso sind aus Plastik gelöste Stoffe bereits in jedem Menschen nachweisbar wie z.B. das hormonwirksame Bisphenol A, das z.B. zu einer Einschränkung der Fertilität führen kann.
Nicht nur die Meere sind mit Plastik verschmutzt, auch in  Gewässern wie der Donau, dem Bodensee und dem Gardasee konnte man Mikroplastik in großen Mengen finden, welches
wieder über Trinkwasser und Nahrung zum Menschen gelangt.
In Deutschland werden pro Jahr 500 Tonnen Mikroplastik  Kosmetika wie Zahncreme oder Körperpeelings zugesetzt, welches in den Kläranlagen nicht aus dem Wasser entfernt werden kann.
Gesundheitsgefährdende Stoffe können auch aus Plastikflaschen, Folien etc. freigesetzt werden. So konnte eine Untersuchung der Universität Frankfurt nachweisen, dass von 20 Mineralwassern in Plastikflaschen 12 hormonwirksame Substanzen enthielten. Bei Mineralwasser aus Glasflaschen war dies nur bei der Hälfte der Fall.
Jedes Jahr werden weltweit über 1 Billion Plastiktüten produziert, jede von ihnen wird durchschnittlich gerade mal 25 Minuten benutzt. Allein zur Herstellung dieser Tüten werden 160 Millionen Tonnen CO2 freigesetzt, was wiederum zur Anheizung des Klimawandels beiträgt.
Viele Länder sind dabei, etwas gegen die Flut der Plastiktüten zu unternehmen. Eine Abgabe von wenigen Cent auf eine Plastiktüte führte in Irland zu einem Rückgang der verwendeten Plastiktüten von 328 auf 16 pro Kopf und Jahr.

Wir wollen mit Info-Ständen, Filmabend und Infomaterial auf dieses Thema hinweisen, informieren und Tipps zum Vermeiden von Plastik geben.

 

Ausblick:

  • Am 18.4. findet ein globaler Aktionstag zum Thema TTIP, CETA & Co statt, an dem wir mit einem Infostand in Böblingen teilnehmen werden.
  • Am 25.4. findet eine Anti-Kohle-Kette in Garzweiler im Rheinland statt, zu der jeder herzlich eingeladen ist mitzumachen.
  • Beim Kirchentag (4.-6. Juni) wird Greenpeace mit einem Stand vertreten sein.
  • Am 12./13.6. finden die Nachhaltigkeitstage Baden-Württemberg statt, bei denen wir mit einem Stand teilnehmen wollen.
  • Am 13.6. werden wir uns am Klimafest Esslingen mit einem Infostand beteiligen
  • Am 21.6. findet in Nagold wieder die Aktion „Mobil ohne Auto“ statt. Auch hier werden wir dabei sein.
  • Am 17.10. werden wir wieder bei der Warentauschbörse in Sindelfingen helfen.
  • Außerdem werden wir uns wieder Greenpeace - Aktionen beteiligen. an verschiedenen


Wir haben auch vor, einen Filmeabend zum Thema Plastik zu gestalten Wir würden uns sehr freuen, wenn wir die/den eine/n oder andere/n bei den jeweiligen Aktionen antreffen würden oder wenn jemand Lust hätte, bei uns mitzumachen. Wir treffen uns in den ungeraden Kalenderwochen, abwechselnd am Donnerstag und am Freitag um 19 Uhr im Umweltzentrum Sindelfingen.

Unser nächstes Treffen findet statt am:
Freitag, den 27. März 2015

 

Neue Homepage 

Seit Anfang des Jahres haben wir eine neue Homepage, die weit mehr Möglichkeiten bietet und viele Informationen über uns, unsere Themen und Greenpeace bietet: Es lohnt sich, diese zu besuchen unter:

www.boeblingen-sindelfingen.greenpeace.de


Weitere Informationen findet man auch auf unserer Facebook- Seite:

https://www.facebook.com/gp.bb.sifi

Sie sind noch nicht auf unserem Verteiler und möchten diesen Rundbrief regelmäßig erhalten - oder sich abmelden?
Eine formlose E-Mail an uns genügt: info@bb-sifi.greenpeace.de

© Ute Teufel für GREENPEACE Böblingen-Sindelfingen, modifiziert fürs Web durch Christian Weber
 

Publikationen

Tags